Donnerstag, 30. März 2017 - 19:00
Hörspiel

Im Ersten Weltkrieg geraten vier Deserteure in eine Zwangssituation, an deren Ende Fatzer kurz vor seiner Exekution erklärt: "Und von jetzt ab eine ganze Zeit über / Wird es keine Sieger mehr geben / Auf eurer Welt sondern nur mehr / Besiegte". Der von Bert Brecht in mehreren Fassungen (etwa 1927 - 1931) fragmentarisch überlieferte Text wurde von Heiner Müller zu einer dichten Spielfassung montiert. Zu seiner Bearbeitung sagt Heiner Müller: "Was am 'Fatzer' wichtig ist, das hängt zusammen mit dem Fragment-Charakter der deutschen Geschichte, der dazu führt, daß so ein Stück, das ganz unmittelbar mit deutscher Geschichte zu tun hat, Fragment bleibt... Vier Leute desertieren aus dem 1. Weltkrieg, warten auf die Revolution, und die kommt nicht. Und nun sind sie ausgestiegen aus der Gesellschaft... radikalisieren sich gegeneinander und negieren sich gegenseitig. Das ist eine große Formulierung einer Situation, die sich in der deutschen Geschichte immer wieder ergeben hat..."

Erstsendung: 11. Februar 1988, Rundfunk der DDR
Produzent: Rundfunk der DDR

Mitwirkende:
Fatzer Jörg-Michael Koerbl
Büsching Werner Hennrich
Koch Frank Castorf
Kaumann Ulrich Zieger
Frau Kaumann Iduna Hegen
Die Andere Regina Menzel
Soldat Knut Hirche
Zwei Fleischer Wolfgang Krause Zwieback
Zwei Fleischer Jochen Menzel
Chortexte Johanna Schall
Sprecher Heiner Müller

Hörspielbearbeitung
Autor(in): Brecht, Bertolt
Bearbeitet von: Müller, Heiner
Musik: Einstürzende Neubauten
Regie: Müller, Heiner
Regiemitarbeit: Rindfleisch, Wolfgang ; Thalheim Matthias

Abspieldauer: 78'48’’

Samstag, 1. April 2017 - 19:00
Gespräch

Könnte es sein, dass Selbstbeobachtung immer schon Selbstkontrolle ist? Könnte es sein, dass Identität immer im Plural verwendet wird und verwendet werden muss? Es könnte auf jeden fall sein, dass die Liebe zu sich selbst und zu anderen ein inzwischen rein unternehmerischer Akt ist. Joseph Vogl wird sich diesen Themen und Fragen im Verlauf des Abends stellen. Und wenn alles rund läuft erzeugen wir im Gespräch sogar kleine Störungen und Zwischenräume der Kommunikation, die sich der Sprache entziehen.
Joseph Vogl ist eines der schärfsten Kritiker der Gegenwart. Was analysiert er: Solche Sätze und ihre Gegenwart.
Joseph Vogl (* 5. Oktober 1957 in Eggenfelden, Niederbayern) ist ein deutscher Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler und Philosoph. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literatur: Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin.