Alexandra Kollontai und die neuen Lebensformen im Kommunismus - Vortrag von Felicita Reuschling.

Vortrag
Freitag, 17. März 2017 - 19:00

Die Bolschewiki waren nicht nur angetreten die Menschen aus den Fesseln der adeligen und bäuerlichen Strukturen herauszulösen und in eine industrialisierte Gesellschaft zu überführen. Wie die Produktionsverhältnisse sollten auch Geschlechterverhältnisse und die Lebens- und Liebesformen im Kommunismus verändert werden. An der politischen Persönlichkeit der Sozialistin Alexandra Kollontai lassen sich die feministischen und familienpolitischen Positionen in der frühen Sowjetunion nachzeichnen.

Kollontais politisches Engagement als erste weibliche Volkskommissarin bis 1922 wurde von dem besonderen historischen Moment der sowjetischen Revolution beflügelt, in dem Strategien zur als notwendig erachteten Transformation von einer patriarchal -kapitalistischen zu einer neuen kollektiven und gleichberechtigten Lebensform auf der Tagesordnung standen. Liebes -und Lebensformen sollten durch das Absterben der Familie geprägt werden. Bekanntlich sind aber im weiteren Verlauf der sowjetischen Parteipolitik weder Staat, Familie, Geld noch Recht abgestorben, wie es anfangs diskutiert wurde.

Das Scheitern der revolutionären Ziele unter Stalin lässt sich nicht nur anhand der Politik der forcierten Industrialisierung nachzeichnen, sondern ebenso an der stalinschen konservativen Strategie der „Festigung der Familie“.

Zu diskutieren wären für heute sowohl Grenzen als auch Unterschiede zwischen revolutionärem und realkapitalistischem „Staatsfeminismus“.

u.

Im Gegensatz zu den 1968er Jahren, die erneut den „Tod der Familie“ forderten, erfreut sich die Privatheit der Klein-Familie heute wieder einer Beliebtheit als beste aller Gegen-Welten im Neoliberalismus.